Frauenpolitik als Querschnittsthema – Geschlechtergerecht aus der Krise!

Die unentgeltliche Pflege von Angehörigen übernehmen meistens Frauen. Die Pandemie hat die Gräben der geschlechtlichen Rollenverteilung weiter vertieft und ihnen ein Rollback in die Häuslichkeit beschert. Wieder (er)tragen primär Frauen die Mehrfachbelastungen dieser Krise. Sie schultern nicht erst seit Corona neben ihrer oft unterbezahlten Berufsarbeit zum Beispiel auch den Großteil der unbezahlten Sorgearbeit, die Kinderbetreuung sowie aktuell das Homeschooling. Gewalttaten gegen Frauen haben während des anhaltenden Ausnahmezustands ebenfalls massiv zugenommen – zu Hause, auf der Straße und im Internet. Laut einer Studie des Weltwirtschaftsforums (WEF) hat die Corona-Krise die Gleichberechtigung sogar um Jahrzehnte zurückgeworfen. „Echte“ Gleichstellung hätten wir demnach erst in ca. 136 Jahren erreicht. Um diese strukturelle Benachteiligung von Frauen effektiv abzubauen, muss Frauenpolitik zukünftig als Querschnittsthema in allen Politikfeldern mitgedacht werden.

 

Gewaltschutz endlich konsequent umsetzen!

Auch 10 Jahre nach Ausfertigung der „Istanbul Konvention“ („Übereinkommen des Europarats zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt“) gibt es im Kampf gegen jegliche Form geschlechtsspezifischer Gewalt ein fast unverändert großes Handlungsdefizit. Obwohl die Mitgliedsstaaten zum Gewaltschutz verpflichtet sind, stellt Gewalt laut WHO weltweit das größte Gesundheitsrisiko für Frauen dar. Der im März dieses Jahres vollzogene Ausstieg der Türkei sowie die drohenden Austritte Polens und Ungarns aus der Konvention sind schwere Rückschläge für Frauen- und Menschenrechte. Seit Februar 2018 ist die Istanbul Konvention auch in Deutschland in Kraft. Dennoch werden Frauen und Mädchen immer noch täglich Opfer von Gewalt. Jeden Tag versucht ein (Ex-)Partner seine Frau zu töten. An jedem dritten Tag gelingt es ihm. Während der Corona-Pandemie haben Angriffe, Gewalttaten und Hasskriminalität gegen Frauen massiv zugenommen – zu Hause, auf der Straße und im Internet. Gewalt gegen Frauen kennt dabei weder Alter oder Nationalität noch Bildungsstatus oder soziale Schichten. Gewalt gegen Frauen ist vielseitig und systemisch in unserer patriarchalen Gesellschaft verankert. Um diese veralteten Machtstrukturen nachhaltig aufzubrechen und die „Istanbul Konvention“ endlich konsequent umzusetzen, muss unsere nächste Bundesregierung eine feministische sein! Wir benötigen dringend mehr Beratungsangebote und einen verbesserten Zugang zu Schutzeinrichtungen. Gerade Betroffene von häuslicher Gewalt brauchen schnelle, wohnortnahe und unbürokratische Hilfe – unabhängig vom Aufenthaltsstatus. Für eine bedarfsgerechte Finanzierung müssen den Kommunen zukünftig finanzielle Mittel sowohl durch den Bund als auch durch die Länder bereitgestellt werden. Denn jeder Mensch hat ein individuelles Recht auf Gewaltschutz, körperliche Unversehrtheit und ein angstfreies Leben!