Den Unsichtbaren eine Stimme geben – Pflegende Angehörige stärken!
Die größte tragende Säule der Pflege sind die ca. fünf Millionen pflegenden Angehörigen in unserem Land. Aktuell werden drei von vier Pflegebedürftigen zu Hause von ihren Angehörigen versorgt. Viele der Pflegenden übernehmen die Aufgabe allein ohne externe Unterstützung. Trotzdem werden pflegende Angehörige in den Debatten um Pflege, Gesundheit oder auch Impfpriorisierung meist schlichtweg vergessen. Sie haben keine starke laute Lobby hinter sich, um sich ins Gedächtnis der politisch Verantwortlichen zu rufen. Seit dem ersten coronabedingten Lockdown im März 2020 isolieren sich viele pflegende Angehörige freiwillig selbst, um ihre Liebsten vor Ansteckung zu schützen. Die starken Einschränkungen ihres Privat- und Berufslebens nehmen sie dabei stillschweigend in Kauf. Zu den physischen und psychischen Belastungen der Dauerpflege kommen oftmals auch berufliche und finanzielle Sorgen. Um die unbezahlte Care-Arbeit zu übernehmen, müssen die meisten Pflegenden ihre Berufsarbeitszeit reduzieren oder sogar ihre Berufstätigkeit unterbrechen. Neben den akuten Verdienstausfällen wirkt sich die reduzierte Berufstätigkeit auch negativ auf die Altersrente aus. Gerade Frauen sind davon besonders betroffen. Meistens sind sie es, die die unbezahlte Fürsorge-Arbeit beim Eintritt eines Pflegefalles in der Familie oder im Freundeskreis übernehmen. Ein erster längst überfälliger Schritt zur besseren finanziellen Absicherung von pflegenden Angehörigen ist unser GRÜNES Konzept der „PflegeZeit Plus“. Ähnlich wie bei der Elternzeit wollen wir damit Erwerbstätige durch eine bis zu dreimonatige Freistellung sowie einer Lohnersatzleistung bei der Verantwortungsübernahme für Pflegebedürftige unterstützen. Außerdem sollen befristet auch anschließende Arbeitszeitreduzierungen finanziell abgefedert werden. Denn wer pflegt, übernimmt eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe, die volle Unterstützung und Anerkennung verdient!
Pflege der Zukunft: Quartierspflege statt weiterer Pflege-Großeinrichtungen!
Die Zahl der Pflegebedürftigen wird bis zum Ende dieses Jahrzehnts aufgrund des demografischen Wandels noch um ca. 30 % ansteigen. Wir GRÜNE stehen für eine zukunftsorientierte Politik, die präventiv und vorausschauend handelt. Das Thema „Pflege der Zukunft“ gehört dabei ganz oben auf die politische Agenda. Klar ist: Weitere Neubauten von einzelnen großen Pflegeheimen lösen die immensen Herausforderungen des sich verschärfenden Pflege- und Betreuungsnotstandes nicht. Um ein Leben in Würde und Freiheit bis zum Lebensende garantieren zu können, braucht es zukünftig flächendeckend vielfältige Wohn- und Versorgungskonzepte. Daher wollen wir GRÜNE gerade in ländlichen Regionen die rechtlichen Grundlagen für die sogenannte „Quartierspflege“ schaffen. Durch gemeinwohlorientierte Versorgungsangebote, soll die Eigenverantwortung und Solidarität der Menschen vor Ort gestärkt und generationenübergreifend ein gutes Leben für alle garantiert werden. Kommunen sollen künftig aktiv in die Mitgestaltung des lokalen Pflegeangebotes miteinbezogen werden und eigene verbindliche Pflegebedarfsplanungen erstellen können. Dabei wollen wir GRÜNE die teilnehmenden Kommunen mit Hilfe einer Anschubfinanzierung aus Bundesmitteln unterstützen.
„Pflegxit“ stoppen – Arbeitsbedingungen verbessern!
Auch der Notstand in der professionellen Pflege hat sich weiter verschärft. In den ersten Monaten der Pandemie haben tausende Pflegefachkräfte ihren Beruf verlassen. Klar ist: Klatschen und jubeln als Ausdruck der Dankbarkeit für Menschen in systemrelevanten Berufen reicht nicht! Um den „Pflegxit“ zu stoppen, müssen die Rahmen- und Arbeitsbedingungen in der Pflege schnellstmöglich verbessert werden. Wir brauchen endlich höhere Löhne mit verbindlichen Tarifverträgen. Die gesetzliche Pflegeversicherung muss dazu verpflichtet werden, ausschließlich mit Anbietern zusammenzuarbeiten, die nach Tarif bezahlen. Darüber hinaus braucht es bessere Personalschlüssel und vor allem eine Verkürzung der Regelarbeitszeit in der Pflege auf 35 Stunden pro Woche, damit unsere Pflegekräfte am Ende nicht selbst zu Patient*innen werden.